Konzeption Jugendcamp
für
benachteiligte Jugendliche in Namibia
im Mai 2006
Ausqanqslage: Lebensverhältnisse in der D.R.C.
D.R.C. steht für Democratic Resettlement Community. Diese sehr arme Community
gehört zur Stadt
Swakopmund an der Küste im Westen Namibias. Sie liegt etwas
außerhalb der
Stadt, auf sandigem Boden der Wüste Namib, in der Nähe einer
Mülldeponie. Diese
Müllhalde ist für die Bewohner der D.R.C. Baustoff- und oft sogar
Nahrungsquelle.
Viele
Kinder werden täglich durch Hilfsorganisationen wie „Love a child" mit
Nahrung
versorgt, um nicht Essbares auf der Müllhalde suchen zu müssen oder
hungrig zu bleiben.
Ca. 3000 Menschen leben dort in Hütten, die aus Müllteilen gebaut worden sind,
ohne Elektrizität und fließendes Wasser. Vorwiegend Damara, aber auch Herero,
Owambo usw. sind dort als Volksgruppen vertreten.
Die meisten der dort lebenden Menschen haben keine oder nur wenig und
unregelmäßige Arbeit, denn die Arbeitslosigkeit in Namibia ist enorm hoch und so
finden die Menschen, die in die Stadt Swakopmund kommen, um dort Arbeit zu
suchen, keine und sind gezwungen in der D.R.C. unter widrigsten Umständen zu
leben.
Alkoholismus
ist leider oft die Folge und HIV/Aids breitet sich rasend schnell aus.
Ca. 20% der Bevölkerung Namibias ist von dem tödlichen Virus bereits infiziert.
Immer mehr Kinder werden deshalb zu Waisen.
Zielgruppe
Die Zielgruppe des Projekts sind deshalb Jugendliche aus der D.R.C..
Mit einigen
Jugendlichen aus dieser Community habe ich bereits während eines
zweimonatigen
pädagogischen Praktikums in Swakopmund gearbeitet. Es ist eine
Gruppe
aufgeschlossener junger Menschen, die noch mit Zuversicht in die Zukunft
blicken und große Träume haben. Glücklicherweise können alle von ihnen zur
Schule
gehen. Zurück in Deutschland habe ich erfolgreich für 10 von diesen
Jugendlichen
Brieffreunde gesucht, welche die Jugendlichen auch monatlich mit
einem kleinen
Taschengeld unterstützen. Einige dieser deutschen Brieffreunde
und ich kamen
dann auf die Idee, im Mai 2006 eine Art Ferienlager für diese
Jugendgruppe und
noch einige andere
Jugendliche aus der D.R.C zu organisieren.
Die Jugendlichen sind zwischen 14
und 20 Jahre alt und beide Geschlechter
sollen in dem Camp
vertreten sein. Insgesamt können wahrscheinlich um die
15-18 Jugendliche teilnehmen. Der zeitliche Rahmen
für das Camp soll etwa
eine Woche betragen.
Ziele des Camps
Durch das Camp wollen wir den Jugendlichen ermöglichen einmal für kurze Zeit
aus ihrem harten Alltag in der D.R.C. auszubrechen und gemeinsam mit Gleichaltrigen
viel Spaß im Feriencamp zu haben.
Aber abgesehen von Freizeitaktivitäten,
wollen wir auch inhaltlich gemeinsam an
Problemlösungen arbeiten und uns über
verschiedene wichtige Themen
austauschen.
Folgenden Ziele sollen im Camp verfolgt
werden:
1. Aufklärung über HIV/Aids, Alkoholismus
und Verhütung
Viel Zeit soll während des Camps auf diese
Themen verwendet werden. Die
Topics werden einzeln an verschiedenen Tagen
behandelt, wobei erst durch
Brainstorming abgeklärt wird, wie viel
Vorwissen vorhanden ist. Vor allem
beim Thema Verhütung werden eine Jungen-
und eine Mädchengruppe
gebildet werden, damit ein offener Umgang
mit dem Thema in einer kleinen
gleichgeschlechtlichen Gruppe stattfinden
kann.
Nach dem Brainstorming werden wir den
Jugendlichen einige Fakten zum
jeweiligen Thema vermitteln, und
anschließend können wir in Kleinstgruppen
gemeinsam mit Hilfe verschiedener
Materialien (Kondome, Prospekte, Fotos,
Erfahrungsberichten etc.) das Thema
gezielt bearbeiten und z.B. eine Collage
erstellen, diskutieren oder ein Stück bzw.
Lied darüber schreiben.
2.
Gemeinsam wollen wir Strategien erarbeiten, die zur Verbesserung des
Lebens in der D.R.C. beitragen könnten.
Vor allem wollen wir zur
HIV/Aids Prävention von Jugendlichen für
Jugendliche der Community
anregen. Aber auch in anderen Bereichen
wollen wir Ideen sammeln,
diskutieren und soweit wie möglich
umsetzen.
Eng im
Zusammenhang mit dem Ziel der Aufklärung wollen wir besonders am
Thema HIV/Aids
arbeiten und über die Bearbeitung des Themas hinaus
zusammen mit den
Jugendlichen eine Möglichkeit finden, wie diese Gruppe
Jugendlicher
andere Jugendliche und Mitglieder der Community an dieses
Thema heranführen
können. Zu denken ist z.B. daran, eine große
Veranstaltung im
Festzelt der D.R.C. am Ende des Camps zu organisieren,
auf der die
Jugendlichen selbst (um-)geschriebene Lieder, Gedichte,
Theaterstücke usw.
zum Thema darbieten und darüber hinaus ihre Collagen
ausstellen. Auch ein Film (z.B. „Time Out: The Truth
About HIV, Aids and You)"
könnte beispielsweise gezeigt und Banner
aufgehängt werden. Wichtig
ist jedoch, dass
die Ideen von den Jugendlichen selbst kommen, nachdem sie
selbst das Thema
erarbeitet und durch unserer Aufklärung vertieft haben.
Auch wollen wir
versuchen im Vorhinein eine erwachsene Person aus der
D.R.C. für unser
Vorhaben zu gewinnen. Diese Person könnte am Camp aktiv
teilnehmen und im
Anschluss vor Ort dafür sorgen, dass die gemeinsam
erarbeitete
Präventionsstrategie weiterhin verfolgt wird.
3. Thematisierung von und Diskussionen
über Menschenrechte, Solidarität
und Partizipation
Neben der Aufklärung und der intensiven
Bearbeitung der Aufklärungsthemen
sollen auch diese Themen behandelt werden.
Den Jugendlichen sollen
dadurch ihre Rechte und ihre Möglichkeiten
zur Mitbestimmung aufgezeigt
werden. Lockere multimediale Vorträge
können an die Themen heranführen,
im Anschluss können wieder in kleinen
Gruppen Plakate erstellt, Bilder
gemalt oder kurze Texte geschrieben
werden.
4.
Die Jugendlichen sollen dafür sensibilisiert werden, wie wichtig eine
gute schulische Ausbildung ist, um all
ihre Energie für die Schule
aufzuwenden
Schule und Probleme in der Schule sollen
offen angesprochen werden, und in
gemeinsamen Diskussionen über diese Themen
wollen wir herausarbeiten
und deutlich werden lassen, wie wichtig
ein (guter) Schulabschluss für den
weiteren Lebensweg ist. Namibias Schulsystem
umfasst 12 Jahre. Ein
Abschluss kann nach der 10. oder nach der
12. Klasse erworben werden.
Besteht man allerdings die 10.Klasse
nicht, kann man diese Klasse nicht mehr
wiederholen und hat somit nicht mehr die
Chance einen Abschluss zu
erlangen. Deshalb ist es gerade in Namibia
besonders wichtig, die Schüler
von Anfang an zu motivieren sich in der
Schule anzustrengen, um nach
Abschluss der Schule wenigstens eine
Chance auf dem Arbeitsmarkt zu
haben.
5.
Lernen von und über die jeweils andere Kultur
Da wir, die Organisatoren, einer anderen
Kultur angehören als die Teilnehmer
bieten sich zahlreiche Möglichkeiten vom
jeweils anderen zu lernen.
ies kann täglich nebenbei und auch gezielt
z.B. an Länderabenden mit
typischem Essen, Musik und Tanz geschehen.
Wir können Lieder, die wir in den
Andachten singen wollen, voneinander
lernen und auch Rezepte aus dem jeweils
anderen Land ausprobieren
und gemeinsam kochen. Gegenseitig können
wir uns Märchen aus unserer
Heimat erzählen.
6.
Kommunikation über den gemeinsamen christlichen Glauben und
eventuell Aufbau einer Partnerschaft der
Gemeinden
Da die Menschen
sowohl in Namibia als auch in Deutschland in christlicher
Tradition stehen,
ist ein Austausch in diesem Bereich sehr interessant für
beide Seiten,
Organisatoren und Teilnehmende. Sowohl in Gesprächen als
auch in
gemeinsamen Andachten, Lobpreis und Gebeten kann die
Kommunikation über
den Glauben stattfinden. Da die Jugendgruppe einer
Gemeinde in der
D.R.C. angehört, liegt das Knüpfen von Kontakten zwischen
Mitgliedern
deutscher Gemeinden und der ev.- lutheranischen Gemeinde in
der D.R.C. nahe,
und schön wäre es, eine langfristige Partnerschaft zwischen
einer Gemeinde in
Deutschland und in Namibia zu erreichen. Eine solche
Partnerschaft
könnte zu einem Briefwechsel, evtl. sogar zu gegenseitigen
Besuchen und am
Ende sogar zur Förderung der namibischen Gemeinde
durch die deutsche
Gemeinde führen. Ein gegenseitiges Befruchten könnte
das Ergebnis einer
Partnerschaft sein.
7.
Erlernen von Selbstverteidigungsstrategien (Taekwondo)
Ein Selbstverteidigungskurs soll sich über
die gesamte Woche erstrecken, so
dass am Ende vor allem die Mädchen dazu in
der Lage sind sich gegen
gewaltsame Handlungen zu wehren. Das
Erlernen von Taekwondo gibt den
Jugendlichen Selbstbewusstsein und ein
sichereres Gefühl im Alltag.
Gleichzeitig bietet diese sportliche
Betätigung im Rahmen des Camps einen
körperlichen Ausgleich zu den vielen
Inhalten, die vermittelt werden sollen.
8.
Freizeitaktivitäten
Durch kreative wie
weitere sportliche Tätigkeiten wird der Campalltag
aufgelockert und
das gemeinsame Spaßerleben tritt in den Vordergrund.
Basteln, Malen,
Fussball, Federball, schwimmen usw. können als Optionen
angeboten werden, so
dass jede/r Jugendliche sich aussuchen kann,
worauf er oder sie
Lust hat. So sind z.B. Origami und Batikarbeiten geplant.
Auch sind ein
Tagesausflug und evtl. ein weiterer Halbtagesausflug geplant,
so dass die
Jugendlichen auch die Möglichkeit bekommen, Neues im
eigenen Land zu
entdecken.
Können auch Sie sich mit diesem Programm identifizieren ?
Kann unser Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ besser erfüllt werden ?
Dann helfen Sie uns durch Ihre Spende.
Wir werden weiter über dieses Projekt berichten.
Spendenkonto:
Hilfe für Namibia
e.V.
Stichwort
„Jugendcamp“
HypoVereinsbank
Miesbach
BLZ 711 200 77
Konto Nr.6120 203
760