Sonnenöfen für Rehoboth

Projektbericht 2001

 

 

Sponsoren                                                Projektdurchführung

Hilfe für Namibia e.V.
                           ULOG-Solar e.V.
Kapellenweg 6                                         Kirchstr.39
88626 Valley/München                          67691 Hochspeyer/Pfalz
                                                                   Tel.: 0049(0)6305994726
                                                                   Fax: 0049(0)6305994727 
                                                                   e-mail: info@ulog-solar.de

                                                           

 

1) Einführung

Der Verein ULOG-Solar e.V. führte vom 18.09.2001 bis zum 11.10.2001 auf Anfrage von „Hilfe für Namibia e.V." ein Solarprojekt in Namibia durch. ULOG-Solar entsendete hierzu ihren Mitarbeiter Dipl.-Ing. Rüdiger Jung in das südwestliche Afrika. Die Kosten des Projekts wurden von „Hilfe für Namibia e.V." komplett übernommen. Die Anschrift der Sponsoren sind auf dem Deckblatt des Berichts aufgeführt. Ein besonderer Dank gilt Herrn Eckard Nold, der dieses Projekt vorschlug und unterstützte. Herr Nold erfuhr von den Sonnenöfen durch einen Baukurs, den ULOG-Solar e.V. in Holzkirchen durchgeführt hat.

 

2) Reisevorbereitung und Planung

Die Reisevorbereitung verlief problemlos. Für Namibia war laut Gesundheitsamt nur eine Hepatitis A und B Impfung notwendig. Eine Visapflicht für die Einreise als Deutscher nach Namibia besteht nicht. Die Planung des Projekts führte Herr Jung zusammen mit Frau Amalie Olivier aus Rehoboth durch. Dieser Kontakt wurde hauptsächlich durch Brief bzw. Telefon aufrecht erhalten. Frau Olivier und ihre vielen Helfer von „Hilfe für Namibia" beantworteten prompt alle zugesandten Anfragen/Briefe und Fragebögen. Die so zur Verfügung stehenden Informationen ermöglichten eine optimale Vorbereitung des Projekts.

Frau Olivier legte sehr großen Wert darauf, dass die Kursteilnehmer von verschiedenen Volksgruppen kamen. Im Baukurs waren ein Angehöriger der Damara, ein Herero und vier Baster. Die Mischlinge in Namibia bezeichnen sich selbst als „Baster". Auch versuchte Frau Olivier, arbeitslose Jugendliche in das Projekt zu integrieren. Diese beiden arbeitslosen Jugendliche sollen so die Möglichkeit bekommen, eine feste Arbeit zu erhalten.

 

3) Materialbeschaffung in Windhuk

  Am Tag nach meiner Ankunft in Namibia begleitete mich Herr Bayer Olivier, der Sohn von Frau Olivier, nach Windhuk zum Einkaufen des Materials. „Hilfe für Namibia" hatte mittels unserer zugesandten Werkzeug- und Materiallisten schon Angebote für die benötigten Produkte eingeholt. Für die Hilfe gilt Herrn Steiner besonderer Dank. Aufgrund dieser guten Vorbereitung war der Einkauf in sechs Stunden erledigt und wir konnten das Material in das 90 km entfernte Rehoboth transportieren.

Die Einkaufssituation in Namibia ist als sehr gut zu bezeichnen. Man bekommt hier alles, was man zum Bau von Sonnenöfen benötigt, preislich ist das Material ein wenig günstiger als in Deutschland, wobei Holz teurer ist und Baubeschläge günstiger sind.

 

4) Baukurs in Rehoboth

Der Baukurs begann am Montag, den 24.09.2001, in der Schreinerei von Thomas van Rensburg in Rehoboth. Bei der Werkstattbesichtigung am Freitag stellte sich heraus, dass die Werkzeuge wohl alt, aber in gutem Zustand waren.

 

 

Wir begannen die Ausbildung mit sechs Personen, wobei ein Lehrling nach einem Tag ausschied, da er eine Arbeit in einer Mine erhalten hatte. Wir besetzten diesen frei gewordenen Platz mit einem jungen arbeitslosen Mechaniker aus Rehoboth. Wir wollten im Baukurs drei Standardmodelle für je 6 Personen sowie drei Familienmodelle für je 12 Personen bauen. Hierbei fertigten wir ein Standardmodell mit einer Aluminiumverkleidung, das somit wetterfest ist. An diesem Sondermodell zeigte ich einige andere Fertigungsmöglichkeiten sowie Materialvariationen, die beim Bau von Sonnenöfen möglich sind. Der Baukurs wurde in englischer Sprache abgehalten, wobei zwei der Lehrlinge nur wenig Englisch verstanden und somit die anderen Kursteilnehmer ins Afrikaans übersetzten. Der Baukurs verlief reibungslos, wobei uns mehrere Stromausfalle zur Umstellung unseres Zeitplans zwangen. Während des Baukurses bemerkten die Kursteilnehmer, dass diese „primitive Holzkiste" doch schwerer zu bauen ist, als es am Anfang aussah. Nach eigenen Übungen mit den zum Teil ungewohnten Materialien bewältigte jeder der Kursteilnehmer die gestellten Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit. Erstaunlich war, dass die Kursteilnehmer sehr hohe Erwartungen an sich selbst stellten und sehr engagiert bei der Sache waren. Nachdem wir alle benötigten Holzteile gefertigt hatten, bauten wir einen Sonnenofen als Anschauungsobjekt zusammen. Die anderen fünf Sonnenöfen wurden danach von den Kursteilnehmern gefertigt. Im Anschluss an den Baukurs war ein Kochkurs geplant. Hier in Namibia war dies nicht nötig, da das Anschauungsobjekt schon während des Baukurses zum Kochen benutzt wurde. Frau van Rensburg kochte von morgens um 10.00 Uhr bis um 17.00 Uhr durchgehend im Sonnenofen. Während dieses 5-tägigen Baukurses backte sie Brot, Kuchen und Pizza. Gekocht hat sie Reis, Gemüse, Fleisch und Fisch. Laut ihrer Aussage hat sie in dieser Zeit nicht mehr den Elektroherd benutzt, außer zur Zubereitung des Frühstücks. Frau Olivier nutzte das Wochenende vor der Prüfung, um die Sonnenöfen auf dem Kirchenfest der evangelischen Gemeinde zu präsentieren. Hierbei wurde auch für die Besucher gekocht. Die vierstündige Präsentation hat die Erwartungen übertroffen, da fünf Familien Sonnenöfen vorbestellt haben. Insgesamt wurden während des Projektes Sonnenöfen verkauft.

Zur Prüfung nach dem fünftägigen Baukurs haben sich alle Lehrlinge bereit erklärt. Da aber die Prüflinge sehr verschiedene Vorbildungen hatten, wurden Sie in zwei Gruppen unterteilt. Die vier Kursteilnehmer, die schon lange im Beruf standen, machten die Prüfung am Montag, den 01.10.2001. Für die beiden arbeitslosen Jugendlichen verlängerte sich die Ausbildung um drei Tage, so dass sie erst am Donnerstag die Prüfung machten. Durch diese Maßnahme konnten sie ihre Defizite im handwerklichen Bereich abbauen. Die Prüfling bestand aus einem praktischen und einem theoretischen Teil, der mündlich geprüft wurde. Die Prüfungszeit betrug zwei Stunden. Alle Kursteilnehmer bestanden diese Prüfung und erhielten hierfür eine Urkunde überreicht.  

Nicholas Muzuuo vom Volksstamm der Herero mit Sonnenofen und Urkunde.

 

Die Materialpreise der Sonnenöfen betragen 227,- N$ (56,75 DM) für ein Standardmodell und 363,- N$ (90,75 DM) für ein Familienmodell. Das Holz, das zur Zubereitung des Essens eines Tages benötigt wird, kostet 10,-N$ (2,50 DM). Das bedeutet, dass das Material für ein Familienmodell in ca. 50 Tagen bezahlt ist, da der Sonnenofen nicht zur Zubereitung des Frühstücks benutzt werden kann.

 

5) Bau einer Pilotanlage zur Fleischtrocknung

Gleich am ersten Tag nach der Ankunft von Herrn Jung in Rehoboth wurde ihm die Frage gestellt, was man noch alles mit Solarenergie machen kann und was Ulog-Solar noch außer Sonnenöfen macht. Als die Familie Olivier davon hörte, dass es auch solare Trockner gibt, fragten sie, ob man damit auch Fleisch trocknen kann. Trockenfleisch ist hier eine Nationalspeise. Es kann aber nur im Winter hergestellt werden, da das Fleisch im Sommer verdirbt. Herr Jung entschloss sich dann, eine Pilotanlage zur Fleischtrocknung zu konstruieren.  

 

Versuchsanlage zur Trocknung von Fleisch

Die Trockenanlage ist zur Trocknung von 5 kg Fleisch pro Tag ausgelegt und soll nun 6 Monate getestet werden. Als Testergebnis stehen Trockenfleischqualität, Anwendungsfreundlichkeit, Nachfrage bei Farmern und Kundenakzeptanz des Trockenfleisches im Vordergrund.

Bei einem positiven Testergebnis könnte durch ein anschließendes Projekt im Jahr 2002 die allgemeine Ernährungssituation sowie die Situation der Farmer entscheidend verbessert werden. Die Anlagen für die Zukunft müssen jedoch größer gebaut werden (20 kg/Tag). Außerdem müssen die Ergebnisse aus dem 6-monatigen Test in die neue Konstruktion mit einfließen. Der erste Testlauf verlief sehr zufriedenstellend. Sowohl die Innenraumtemperatur als auch die erwünschte Trockenzeit für das Fleisch wurden erreicht. Die Trockenzeit beträgt nur 2-3 Tage, wohingegen die konventionelle Trocknung im Winter 8-10 Tage dauert. Diese Ergebnisse lassen uns optimistisch in den Dauertest über den Sommer gehen.

 

6) Ausblick in die Zukunft

Obwohl Namibia eines der am weitesten entwickelten Länder Afrikas ist, ist der Bereich der Solarenergie hier absolut vernachlässigt. In diesem Kapitel werden drei weitere Betätigungsfelder aufgezeigt, die mittels der Solarenergie erschlossen werden können.

 

6.1)       Fortführung des Sonnenofenprojekts

Aufgrund des großen Interesses der Bevölkerung in Rehoboth an Sonnenöfen kommt es nun auf die ausgebildeten Personen an, die Verbreitung von Sonnenöfen voran zu treiben. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterführung des Projektes sind gut. ULOG-Solar e.V. wird weiter beratend die Kursteilnehmer unterstützen.

 

6.2)       Perspektiven der solaren Trocknung

Mittels eines Folgeprojektes im Bereich der solaren Trocknung kann die Situation in der Nahrungsmittelversorgung entscheidend verbessert werden, da die Trocknung auf konventionelle Art nur im Winter möglich ist. Gleichzeitig wird die Wirtschaftliche Situation der Farmer somit verbessert, da das Trockenfleisch zu einem höheren Preis verkauft werden kann. Bisher wurde das Fleisch zu einem niedrigen Preis in die Stadt verkauft, und dort unter hohem energetischen Aufwand getrocknet. Zeitweise räucherten die Farmer das Fleisch mittels Holz. Diese Maßnahme fuhrt aber nur zur weiteren Abholzung des ohnehin schon kläglichen Baumbestandes. Eine Einfuhrung der solaren Trocknung ist also aus:

* ernährungspolitischen  
* wirtschaftlichen  
* Klimaschutzgründen     wünschenswert.

 

6.3)       Weitere Möglichkeiten im Bereich der Solarenergie

Die solare Warmwasserbereitung ist ein weiteres Betätigungsfeld in Namibia. Wichtig ist hier eine Anlage zu konstruieren, die mittels Schwerkraft funktioniert und somit ohne Pumpen auskommt. Hierbei soll Wert darauf gelegt werden, dass die Materialien weitestgehend aus Namibia stammen und die Anlage einfach aufgebaut ist. So kann man gewährleisten, dass diese Entwicklung auch von dem einfachen Volk zu erwerben ist. Somit kann man eine Unabhängigkeit von teurem Strom oder Holz erreichen. Auch hier wird somit der Abholzung der wenigen Bäume vorgebeugt.  
 

Ausgebildete Personen im Namibiaprojekt 2001 zum Bau von Sonnenöfen

Name

 

Anschrift

 

Beruf

 

Bayer Olivier  

P.O. Box 4453 Rehoboth  
 

Agraringenieur  

Thomas van Rensburg  
 

P.O. Box 3428 Rehoboth  
 

Schreiner  

Paulus van Rensburg  
 

P.O. Box 3428 Rehoboth  
 

Schreiner  
 

Hans Eiseb  
 

Rehoboth  
 

Schüler (Arbeitslos)  
 

Nicholas Muzuuo  
 

P.O. Box 3300 Rehoboth  
 

Musiker  
 

Bayzil Rhutardt  

P.O. Box 332a Rehoboth  
 

Mechaniker (Arbeitslos)  
 

 

Die im Baukurs gebauten sechs Sonnenöfen bekamen die Lehrlinge mit nach Hause.